Der ehemalige Disney-Channel-Star Calum Worthy (bekannt aus „Austin & Ally“) hat mit seinem Startup 2wai eine KI-Plattform vorgestellt, die interaktive Avatare verstorbener Angehöriger erstellt. Aus nur wenigen Minuten Videoaufnahmen entstehen „HoloAvatare“, mit denen Nutzer weiterhin sprechen können – als wären die Verstorbenen noch da.
Ein emotional aufgeladenes Promo-Video zeigt eine schwangere Frau, die mit ihrer verstorbenen Mutter chattet, und später die digitale Großmutter, die den Enkel von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter begleitet. Der Slogan: „Drei Minuten können ewig dauern.“ Das Video ging viral – leider vor allem wegen massiver Kritik.
Die Beta-Version ist seit dem 11. November kostenlos im Apple App Store verfügbar, Android soll folgen. Geplant ist ein gestaffeltes Abo-Modell. Neben Verstorbenen lassen sich auch historische Figuren (Shakespeare, Frida Kahlo) oder fiktive Charaktere erstellen.
Technisch basiert 2wai auf fortschrittlichen Sprach- und Bildmodellen, die Stimme, Aussehen und teilweise Persönlichkeit rekonstruieren. Worthy spricht von einem „lebenden Archiv der Menschheit“.
Das Werbevideo erntete über 22 Millionen Views auf X, aber nur wenige Likes – stattdessen Zehntausende Kommentare, die die App als „dämonisch“, „objektiv böse“ oder „Black Mirror in echt“ brandmarken.
Kritiker werfen vor, die App nutze Trauer kommerziell aus und verhindere gesunden Abschied. Ein Punkt: Die Verstorbenen konnten nie einwilligen. Viele sehen hier eine neue Form von Identitätsdiebstahl.
Auch technische Schwächen wurden bemängelt: Aktuelle Avatare reagieren oft laggy und unnatürlich – das Versprechen aus dem Werbevideo wird (noch) nicht eingelöst.
Trotzdem gibt es bereits Avatare von Promis und Worthy selbst. Das wirft weitere Fragen auf: Wer darf wen digital „wiederbeleben“?
Die App ist nicht die erste ihrer Art (HereAfter AI, Replika), aber durch den Disney-Star und das virale Video die bisher kontroverseste.
Ethisch steht 2wai exemplarisch für die dunkle Seite von KI: Emotionale Abhängigkeit schaffen, wo eigentlich Loslassen nötig wäre.
Wenn bereits die Bindung an ChatGPT-4o viele irritiert, wird das Chatten mit „Toten“ die Gesellschaft noch tiefer spalten.
Die Kommerzialisierung von Trauer birgt das Risiko einer „KI-Psychose“ – wo Illusion die Realität verdrängt.
Rechtlich unklar: Wer besitzt die digitale Identität nach dem Tod? Können Erben sie „löschen“?
Positiv gesehen könnte 2wai Trost spenden – besonders bei plötzlichem Verlust oder fehlenden Abschiedsmöglichkeiten.
Langfristig jedoch droht eine Gesellschaft, die den Tod nicht mehr akzeptiert und stattdessen in digitalen Schattenwelten verharrt.
Fazit: Technisch beeindruckend, ethisch hochproblematisch. 2wai zeigt, wie schnell KI von hilfreich zu verstörend kippen kann. Die Debatte um Consent, Trauer und digitale Unsterblichkeit ist eröffnet – und sie wird uns noch lange beschäftigen.
Quelle: The Rundown AI / Forbes
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